Rein in Irrgarten, raus aus Irrweg

Neues Projekt von Jugendgerichtshilfe und Jugendpflege:
Straffällig gewordene Jugendliche bauen Platz zur Freizeitgestaltung

Wenn Jugendliche und Heranwachsende Straftaten begehen und verurteilt werden, müssen sie meist Sozialstunden ableisten, so etwa in Altenheimen. Im Kreis Ahrweiler läuft nun ein neues Projekt, das "Vernetzungen" ermöglicht - und das in mehrfacher Hinsicht: für die Jugendlichen selbst, aber auch für Kreisjugendamt und Jugendpfleger.

  GRAFSCHAFT / AHRKREIS. Die Bezeichnung der Initiative "Irrwege: Projekt für Jugendliche mit Sozialstunden" birgt eine doppelte Bedeutung. Auf - negativen - Irrwegen befinden sich junge Leute, die sich vor Gerichten verantworten müssen. Wegen eines frisierten Motorrollers etwa, wegen Ladendiebstahls oder wegen Körperverletzung. Einen - positiven ­ Irrweg bauen sich 15 solcher Jugendlicher mit einem Betreuer-Team derzeit selbst: ein natürliches Labyrinth, bestehend aus mehreren Hundert Hain- und Weißbuchen.
   Die Baumsetzlinge werden in Grafschaft-Ringen gepflanzt, auf einer Freifläche in der Nähe der Sporthalle und des Bürgerhauses. Die Gemeinde Grafschaft stellte die Fläche bereit. Der Kinder­ und Jugendförderverein Gemeinde Grafschaft mit Christina Noack ist ebenso im Boot wie der Naturschutzbund im Kreis Ahrweiler (NABU) mit Alfred Pohl, ferner die Jugendpfleger Werner Söller (Verbandsgemeinde Altenahr) und Jürgen Schwarzmann (VG Adenau) sowie das Kreis-Jugendamt mit den Sozialarbeitern Heike Schulden und Burkhard Müller.


Das Team der Jugendgerichtshitfe und Jugendpftege baut mit straffällig gewordenen Jugendlichen einen natürlichen Irrgarten.
  Schulden und Müller sind zuständig für die Jugendgerichtshilfe. "Ein Vorteil dieses Projekts liegt darin, dass wir diese jungen Menschen nach eingehender Beratung nicht nur vom Schreibtisch aus zur Ableistung von Sozialstunden in Einrichtungen schicken, sondern sie noch näher kennen lernen und beobachten können - einzeln und in der Gruppe", berichtet Müller. Ein weiteres Ziel der Betreuer ist laut Schulden, gemeinsam mit den Jugendlichen über deren Straftaten zu reflektieren.
  Erfreulich: Die straffällig gewordenen Jugendlichen (14 bis 18 Jahre) und Heranwachsenden (18 bis 21 Jahre) zeigten großes Interesse daran, "etwas Neues und Bleibendes zu schaffen" , so Schulden. So soll der aus He­ cken angelegte Irrgarten langfristig genutzt werden, etwa von der nahe gelegenen Grundschule Ringen. Wenn Sitzbänke und ein befestigter Platz einschließlich Basketballkorb errichtet sind, soll das Gelände für die Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen perfekt sein, hoffen die Initiatoren.

Quelle: Rheinzeitung vom 02.06.2006


  Zurück