Langer Frost beschert Umsatztief

Gärtner im Kreis bleiben auf ihren Frühblühern sitzen
Verspäteter Saisonstart stellt Unternehmer vor Probleme

Der lange und harte Winter beschert den Gärtnern und Pflanzenerzeugeern Im Kreis ein Umsatztief. Was eigentlich längst im Freien wachsen und gedei hen sollte, welkt aufgrund zu niedriger Temperaturen in den Gewächshäusern langsam vor sich hin. Kein Wunder also, dass selbst dort drinnen die Stimmung frostig ist.
  AHRKREIS. Vier Wochen später als gewöhnlich nahm der Winter in diesem Jahr seinen Abschied, und das stellt vor allem Gärtnereien und Pflanzenerzeuger vor gewaltige Probleme. "Das können wir nicht mehr aufholen", ist Walter Schweiß aus Bölingen überzeugt. "Der März ist ein verlorener Monat und wird uns gut und gerne 100 000 Euro kosten.
   "Die Staudengärtnerei Schweiß beginnt üblicherweise Ende Februar mit dem Versand an Gartencenter und Landschaftsgärtner in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz.


Der Frühling könnte so schön sein: Staudengärtner Walter Schweiß aus Bölingen hat die Gewächshäuser voll. Für die meisten Frühblüher ist die Pflanzzeit aber schon bald vorbei. Foto: Vollrath/Gausmann
Aber wenn der Boden gefroren ist, kann nicht gepflanzt werden, und so wurden die Lieferungen in diesem Jahr immer wieder verschoben und abgeändert. Bereits im vergangenen Jahr litt die Branche von Mitte Februar bis zum 13. März 2005 unter einer Frostperiode. Danach zog dann aber der Frühling ein und brachte in der zweiten Märzhälfte im Rheinland Temperaturen bis 25 Grad Celsius. Im laufenden Jahr erstreckte sich die "ausgeprägte Spätwinterperiode" dann über den ganzen Monat März, mit Temperaturen, die teilweise 5 Grad Celsius unter dem langjährigen Mittel lagen.
  Auch bei den Landschaftsgärtnern hatte man sich wie immer auf einen Arbeitsbeginn am 1. März eingerichtet und wartete danach wochenlang auf bessere Witterungsbedingungen. In der Gärtnerei Wershofen in der Kreisstadt legen die 25 Mitarbeiter seit einigen Tagen den Turbo­Gang ein. Ein um vier Wochen verspäteter Saisonstart heißt nämlich auch: jetzt muss alles schnell unter die Erde. Die Pflanzzeit für Bäume und Sträucher ist Ende April vorbei. Das Geschäft mit den Frühlingsblühem ist zum größten Teil weggebrochen. Inzwischen sind die teuer weil energieaufwendig erzeugten Primeln durchgeblüht. Die sollten eigentlich ab Anfang März die Balkonkästen und Vorgärten zieren. Ralf Wershofen befürchtet, dass viele Gartenfreunde nun gleich auf Sommerblumen setzen. Mit viel Einsatz und extra-langen Arbeitstagen hofft er, das Problem Baustellenstau zu bewältigen. Denn die Baustellen, die man eigentlich im März abgearbeitet haben wollte, müssen nun mit in den April-Zeitplan aufgenommen werden.
  Für die Natur ist ein verspäteter Saisonstart kein Problem. Ein paar warme Sonnentage und rasend schnell wird es überall sprießen und blühen. Die "grünen" Branchen allerdings stecken den "verlorenen März 2006" nicht so leicht weg. Hilfreich wären für sie in den kommenden Wochen gemäßigte Temperaturen, Sonnenschein und ein wenig Regen. " Was wir in solchen Zeiten vor allem brauchen, ist eine gute Bank!" ergänzt Walter Schweiß mit Galgenhumor. (gg)


T i p p s   f ü r   d e n   F r e i z e i t g ä r t n e r

Auf keinen Fall jetzt schon Sommerblumen pflanzen! Das rät Gärtnermeister Ralf Wershofen allen, die sich zu früh auf den Frühling freuen. Späte Frühlingsblüher wie Narzissen, Hyazinthen, Bellis, Hornveilchen und einige Primelsorten bescheren noch einige Wochen lang Freude. Frühlingsblühende Polsterstauden können außerdem jetzt in Kübel gepflanzt und später in den Garten gesetzt werden. Sträucher und Bäume dagegen müssen bereits nach draußen, ihre Pflanzzeit ist schon Ende April vorbei. Wer mehr wissen will, kann sich am letzten Aprilwochenende beim "Tag der offenen Gärtnerei" im Kreis Tipps für die Sommerbepflanzung holen.

Quelle: Rheinzeitung vom 03.04.2006


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