Die Grafschaft ist für Trauben zu kalt

Obstbauer Gerd Moog hat in den vergangenen Jahren viel gelernt
In der Kölner Bucht fühlt sich die "Rheintraube" wohl

"Rheinisch, köstlich, süß": Mit diesem Slogan wirbt die "Lindenhof Tafeltrauben GbR" für ihre "Rheintrauben." Mit Erfolg: Erst im vergangenen Dezember wurde der Pionier im Anbau deutscher Tafeltrauben von der CMA mit dem Ideenpreis "Viktus" in der Kategorie Bronze ausgezeichnet. Doch auch Rückschläge gab es in der gut sechsjährigen Anbaugeschichte zu verkraften.
  GRAFSCHAFT. Seit ihrer Einführung vor fünf Jahren konnte sich die Eigenmarke "Rheintraube" auf dem Markt etablieren. Doch von ihrem Traum, auch im "Dorado des Obstes" in der Grafschaft erfolgreich Tafeltrauben anbauen zu können, mussten sich die Obstbauern Gerd Moog und Peter Krupp zwischenzeitlich verabschieden: Seit diesem Jahr werden in der Grafschaft keine Trauben mehr angebaut - hier ist es dem sonnenhungrigen Obst schlichtweg zu kalt.
  Zwei Wochen Vorsprung
Vier Hektar groß war die Anbaufläche in der Grafschaft. Mit einer Höhe von 230 bis 240 Meter über Normalnull liegt sie rund 180 Meter über dem in Luftlinie nur knapp 30 Kilometer entfernten zweiten Anbaugebiet der Rheintrauben bei Wesseling. Doch der Höhenunterschied ist entscheidend: Er verschafft den Wesselinger Trauben einen Vegetationsvorsprung von gut und gern 14 Tagen.
  "Das ist enorm" , erklärt Gerd Moog. Den Grafschafter Trauben blieb dagegen nur die rote Laterne: Wegen des vergleichsweise rauen Klimas blieben sie zu klein, wurden erst spät oder gar nicht reif. "Wenn die Beeren nicht groß sind, kaufen sie die Leute nicht" , so Moogs Erfahrung. In diesem Jahr zogen er und sein Anbaupartner Peter Krupp ihre Konsequenzen: Der Bölinger Obsthof Krupp zog sich ganz aus dem Rheintrauben-Anbau zurück; Moogs Lindenhof mit Sitz in Wachtberg-Fritzdorf macht seitdem auf einem vier Hektar großen Anbaugebiet bei Wesseling allein weiter. An Spalierdrähten werden die Reben hier gezogen. Schlechtes Wetter kann den Früchten nichts anhaben: Die Trauben gedeihen unter einem Foliendach, das sie vor ungebetenen Niederschlägen schützt. Für gleich bleibende Spitzenqualität soll auch das Bewässerungssystem sorgen: Mit dem Tropfschlauch werden die Reben vom Boden aus mit Wasser versorgt. Auf den Wesselinger Traubenfeldern steht der Erntebeginn unmittelbar bevor. 60 bis 80 Tonnen Tafeltrauben werden Moog und seine Mitarbeiter in den kommenden sieben bis acht Wochen ernten können, schätzt der Obstbauer. Dann wird es die Rheintrauben wieder im ganzen Rheinland zu kaufen geben: beim Produzenten selbst, in Hofläden, auf Wochenmärkten und im Lebensmitteleinzelhandel. Im Ahrkreis bietet Schneiders Obsthof die regionale Köstlichkeit an seinen Ständen in Remagen und Sinzig an.
  150 Jahre alte Rebstöcke
Derweil lässt sich Lindenhof-Obstbauer Gerd Moog das Träumen nicht verbieten. Erst vor drei Wochen besuchte er mehrere Traditionsbetriebe im Ursprungsland des europäischen Tafeltraubenanbaus, in Belgien. Dort wird das edle Obst wie eh und je in Treibhäusern kultiviert, teils kommt es von Rebstöcken, die 150 Jahre alt sind. "Solch altes Holz liefert eine traumhafte Qualität" , schwärmt Moog. Aber eine, die auch ihren Preis hat. Petra Ochs

Quelle: Rheinzeitung vom 03.09.2009


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