Macht Haribo die Grafschaft froh?
Die Gewerbeflächen im Innovationspark stehen leer - Süßwaren-Riese hat keine Zusage gemacht, ist aber generell interessiert
Im Innovationspark Rhelnland sollten sich die klügsten Köpfe der Nation das Gehirn über neue Technologien zerbrechen. Der Bonner Süßigkeiten­HersteIler Harlbo wäre sicher auch ein gern gesehener Gewerbesteuer-Zahler. Doch weder High-Tech noch Gummibärchen hat das Areal zu bieten, das vor knapp zwei Jahren voll erschlossen wurde. Die 22 Hektar großen Gewerbeftächen In der Gemeinde Grafschaft werden statt dessen landwirtschaftlich genutzt. Das könnte sich bald ändern.

GRAFSCHAFT. Haribo macht Kinder froh - und die Grafschaft ebenso? Das ist eine Frage, die momentan auch Bürgermeister Achim Juchem beschäftigt. Denn er hat ein Problem: Im Innovationspark Rheinland (IPR) hat sich noch kein einziges Unternehmen angesiedelt. Statt dessen werden die Flächen an Landwirte verpachtet. Doch Birnen, Bits und Bytes - das passt irgendwie nicht zusammen.
  Also hat sich Juchem mit seinen Mitarbeitern zusammengesetzt, um die regionale Vermarktung des IPR selbst in die Hand zu nehmen. "Unsere Arbeitsgruppe hat das Ziel, ein örtliches Netzwerk aufzubauen. Wir wollen die Firmen aktiv ansprechen. Da wir für die Interessenten leicht erreichbar sind, haben sich auch schon mehrere mit uns an einen Tisch gesetzt. So wie es aussieht, wird im Herbst ein kleineres Unternehmen mit dem Bau seines Firmengebäudes beginnen", erklärt er zufrieden.
  Auch mit dem Gummibären-Riesen Haribo steht der Grafschafter Bürgermeister in Kontakt. Dass das Unternehmen nach einem neuen Standort sucht, weil die Produktionsßäche in Bonn so langsam immer kleiner wird, ist dabei nicht neu.
  Marco Alfter, Sprecher des Süßigkeiten-Herstellers, bringt es auf den Punkt: "Es ist kein Geheimnis, dass wir an Ort und Stelle nicht expandieren können. Doch sich woanders anzusiedeln, das ist eine Entscheidung, die man nicht über Nacht trifft. Zunächst muss abgewogen werden, wie die Verkehrsanbin dung ist, aber auch Aspekte wie die Gewerbesteuer müssen wir berücksichtigen. Die Grafschaft käme generell in Frage. Aber auch Rheinbach und Bornheim haben Flächen zu bieten, die für uns interessant sind."
  Dr. Michael Gramm, der für die überregionale Werbung des Innovationsparks zuständig ist, steht der Sache skeptisch gegenüber. "Ich weiß nicht, wie realistisch es ist, dass sich Haribo tatsächlich von Bonn lösen wird. Aber falls sich das Unternehmen tatsächlich eines Tages für den IPR als neuen Standort entscheiden sollte, müsste man sich komplett von der jetzigen Ausrichtung und dem Konzept des Innovationsparks lösen." (sto)


"Ja, wo ist denn der Innovationspark?" Das dürften sich Autofahrer fragen, die an diesem Schild vorbeikommen. Bislang hat sich noch kein Unternehmen auf dem seit knapp zwei Jahren erschlossenen Areal In der Grafschaft angesiedelt.   Foto: Vollrath



Gummibären-Riese im Innovationspark? - Problem Autobahn

GRAFSCHAFT. Gramm, der Leiter eines Jülicher Beratungsbüros, hat die Vermarktung der vom Bund geförderten Projekte für den Kreis Ahrweiler übernommen. Auf der Website, für die er verantwortlich zeichnet, wird der IPR als "Startbahn für Unternehmen in einem wissenschaftlich-technologischen Umfeld mit Weltgeltung und direktem Autobahnanschluss "beworben. Doch wer die Gegend kennt, weiß auch, dass die Auffahrt in Richtung Koblenz noch gar nicht existiert. "Das ist eine von zwei Schwachstellen, die behoben werden muss" , mahnt Gramm. Der andere Knackpunkt: "Gerade ausländische Unternehmen wollen lieber mieten statt zu bauen. Das kann man hier bislang aber nicht. " Trotzdem glaubt Gramm daran, dass sich bald einige Firmen' in der Graf schaft ansiedeln werden. "Mit einer Firma aus dem Technologiebereich sind wir auf einem guten Weg. Die Baupläne sind fertig. Das junge, aber etablierte Unternehmen mit rund 30 Mitarbeitern wird sich wohl noch im Sommer im IPR niederlassen. "
  Dass Gramm sich nur mit der überregionalen Vermarktung beschäftigt, hat folgenden Grund: Die Mittel, mit denen der Innovationspark finanziert wurde, stammen aus dem Bonn-Berlin-Ausgleich. Und die Region soll ja gerade durch Neuansiedlungen gestärkt werden. Deshalb darf er nur Unternehmen ansprechen, die etwas weiter weg sind. Er benutzt dazu die üblichen Marketing-Strategien ­ vom Internet über Mailing­Aktionen bis hin zu Messe­Auftritten. Für die Vermarktung der Kreis-Ahrweiler-Projekte steht ihm drei Jahre lang ein Budget in Höhe von rund 700000 Euro zur Verfügung. Je zur Hälfte wird dieser Betrag vom Bund und dem Kreis Ahrweiler gezahlt.
  Von solchen Summen kann Bürgermeister Achim Juchem nur träumen. Trotzdem versucht er mit den Mitteln, die er hat, das Beste aus der Sache zu machen. Auf Flyern, mit denen für Veranstaltungen in der Grafschaft geworben wird, sind neuerdings Informationen zum IPR zu finden. Sogar auf der Rückseite seiner Visitenkarte ist die Internetpräsenz des Innovationsparks Rheinland verzeichnet. "Es gibt viele Menschen, die da rauf anspringen. Sie informieren sich auf der Website und melden sich dann bei uns", erklärt er. Den meisten Unternehmern konnte er auch weiterhelfen - obwohl der Name "Innovationspark" einige von ihnen beinahe abgeschreckt hätte. "Viele glauben, dass sich nur Technologie-Unternehmen im Innovationspark ansiedeln können. Doch das stimmt nicht", erklärt er. Außer größeren Einkaufszentren, großflächigen Handelsbetrieben sowie reinen Lager- und Speditionsbe- trieben ist fast alles erlaubt. "Bei uns dürfen sich beispielsweise Betriebe aus den Bereichen Medizintechnik, aber auch Ingenieurgesellschaften und Unternehmensberatungen niederlassen" , betont der Bürgermeister. Und das werden sie hoffent lich auch. Denn allein für die laufenden Kosten des IPR muss die Gemeinde Grafschaft jährlich 500 000 Euro berappen.
  "Dieser Betrag tut verdammt weh", sagt Juchem. Das Geld könnte er an anderer Stelle weitaus besser gebrauchen.   Evelyn Stolberg

Quelle: Rheinzeitung vom 06.07.2005
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