Bei Industrie-Vermarktung ist ein langer Atem gefragt
Prof. Gramm zum Innovationspark Rheinland - Bewerber vor der Tür
AHRKREIS. Die Vermarktung des Innovationsparks Rheinland (früher Technologiepark Grafschaft) ist Kärrnerarbeit und fordert einen langen Atem. Diese Erkenntnis nahmen die Mitglieder des Kreistages mit (wir berichteten), nachdem Prof. Michael Gramm über den Stand der Vermarktung des Geländes an der A 61 berichtet hatte. Sieben Firmen hat er derzeit an der Angel, bei zwei bis drei sieht er in den nächsten Monaten einen Grundstückskauf. Das Thema Grundstücke wurde auf Antrag der SPD-Fraktion, die den Bericht des Vermarkters aus Jülich beantragt hatte, später im nicht öffentlichen Teil vertieft.
  Seit Herbst 2003 wird von Michael Gramm das gesamte Szenario der Aquise durchgespielt: Internet, CD-Rom, Brancheninformation, Messen zur Wirtschaftsförderung oder Integration in den Gesamtauftritt der Ausgleichsmaßnahmen Bonn/Berlin. Und dabei stellte sich heraus, dass die überregionale Vermarktung im Zeitplan liegt, aber im regionalen Bereich noch nachgelegt werden muss. Michael Gramm: "Die Region ist in ihrer Außendarstellung nicht sehr stark, denn die Grafschaft oder den Kreis Ahrweiler kennt niemand." Dieser müsse in eine Gesamtdarstellung des Großraumes Bonn/Köln eingebunden werden.
  Für "Quartierbildung"
Als einen Hemmschuh sieht der Experte die alleinige Festlegung auf Technologie-Firmen. Sein Vorschlag an die Parteien: Umdenken in Richtung einer "Quartierbildung" von Firmen unterschiedlicher Ausrichtung, bei der die technologische und innovative Ausrichtung im Vordergrund steht. Und sein eindringlicher Appell: "Alle Kräfte bündeln!"
  Intensiver Handlungsbedarf ist für Gramm bei der Realisierung des noch fehlenden Autobahnanschlusses in Richtung Süden gegeben. Dazu Landrat Pföhler: "Wir müssen das im Verband mit Mainz klären!" Weiter hat sich das Fehlen von Mietobjekten im Innovationspark für Firmen, die nicht selbst Eigentum erwerben wollen, als Pferdefuß bei der Vermarktung erwiesen. So hat Gramm 22 Firmen mit Mietwünschen im Notizbuch stehen. Er will jetzt "mit drei Investoren sprechen, die Projekte zur Vermietung bauen wollen". Davon hänge 50 Prozent des weiteren Erfolgs der Vermarktung ab.
  Umsatzstärkste Betriebe
Aber Prof. Gramm blickt durchaus optimistisch in die Zukunft angesichts der zentralen Lage in der Region: "Mehr als ein Drittel der 500 umsatzstärksten deutschen Unternehmen ist im Umkreis von 100 Kilometern zu erreichen."
  Zur aktuellen Lage steuerte der Landrat bei, dass mit einem ausländischen Unternehmen aus der Luftfahrtindustrie erfolgversprechende Kontakte bestehen. Mit dem Land müsse nun ein Finanzierungsmodell gefunden werden.
  SPD-Fraktionschef Banze warb darum, dass alle Parteien an einem Strick ziehen, seine Fraktion stehe zum Projekt. Wenngleich er kritische Töne anschlug und eine Verbesserung des Internetauftritts und anderer Werbeträger anmahnte, was beim Vermarkter auf offene Ohren stieß. Roll Deißler (FWG) zeigte sich skeptisch, ob der restliche Autobahnanschluss schon bald verwirklicht wird. Für Michael Schneider (CDU) war klar, "dass es schwierig wird" . Die Fragenkatalog von Günter Bach (SPD), wie das Verhältnis des Vermarkters zur früheren Verwaltungsspitze der Gemeinde Grafschaft war, wurde in den nicht öffentlichen Teil verbannt. Schneider hatte dazu einen Antrag zur Geschäftsordnung gestellt. Er sah öffentlich keinen Bedarf, das Thema zu vertiefen. (go)
Quelle: Rheinzeitung vom 07.03.2005
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