Folie schützt die süßen Kirschen
Die roten Früchte werden derzeit von fleißigen Erntehelfern gepflückt
Die bisherige Ausbeute ist durchwachsen
Was haben "Schneiders", "Kordia","Silvia", "Reglna" und "Sweetheart" gemeinsam? Es sind allesamt Bezelchnungen für Süßkirschen-Sorten. ln der Region hat die Ernte der Früchtchen vor rund zwel Wochen begonnen.
  AHRKREIS. Drei Hektar groß ist das Terrain des Obstbauers Peter Krupp in Grafschaft-Bölingen, auf dem er sein Sortiment an Süßkirschen anbaut. "Der Regen stört uns dabei relativ wenig", sagt Krupp, denn seine Kirschbäume sind mit Folie überdacht.
  Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Kirschen werden vor dem Platzen geschützt und können länger am Baum hängen bleiben. Das kommt der dunkelroten Farbe und dem Aroma zugute, denn gerade in den letzten Tagen vor der Ernte entwickeln die Kirschen viel Fruchtzucker. Krupps Wahlspruch: "Die Reife, die sie am Baum nicht kriegen, bekommen die Kirschen später auch nicht mehr."
  Auf die richtige Bedachung setzt auch Obstbauer Johannes Nachtwey aus Grafschaft­Gelsdorf: "Das ist zwar kostenintensiv, zahlt sich aber aus." Er hat einen Hektar seiner Anbaufläche schon vor der Blüte mit Folie überspannt; zehn Ar seiner Kirschbäume stehen aber auch weiterhin im Freiland und werden lediglich mit Netzen vor gefräßigen Vögeln geschützt.
Heiß begehrt sind besonders die süßen Kirschen, die im Kreis Ahrweiler vornehmlich in der Grafschaft angebaut werden.  Foto: Vollrath
Wie sein Bölinger Kollege hat Nachtwey diverse Süßkirschen im Sortiment. Während sich besonders die späten Sorten durch ihre Süße auszeichnen, haben die frühen den Nachteil ihrer eher kleinen Fruchtgröße. Trotzdem lohnt sich der Anbau: "Der Kunde will eben früh Kirschen haben", weiß Nachtwey. Und wie ist die bisherige Ausbeute? "Durchwachsen", sagt Nachtwey. Die selbstbefruchtenden Sorten hängen zwar sehr voll; weniger üppig bestückt sind dagegen die, bei denen die lnsekten die Befruchtungsarbeit zu leisten hatten.
  An das diesjährige "verrückte Blühwetter" denkt auch Peter Krupp mit Unbehagen zurück. Der kalte April hat bei seinen Kirschbäumen zu einem " Unterschied im Behang" geführt.
  Nichtsdestotrotz machen sich in Bölingen und Gelsdorf Tag für Tag die Erntehelfer auf ihren Weg in die "Kirschfelder". Ausgerüstet sind sie mit ein Meter hohen "Pflückschlitten" - das halsbrecherische Herumklettern auf Leitern ist passe. Dies ist den "modemen" Kirschbäumen zu verdanken, die bei ihrer Veredelung auf schwach wachsende Unterlagen gesetzt wurden, um sie möglichst klein zu halten.
  Noch runde drei Wochen  ­dann ist auch die diesjährige Süßkirschen-Saison wieder Geschichte. Übrigens: Ihre Kirschen vermarkten die beiden Obstbauern über den Zentralmarkt in Bornheim­Roisdorf. Wer sich nicht darauf verlassen will, dass es die leckeren Früchtchen danach auch im heimischen Supermarkt zu erstehen gibt, hat noch eine andere Möglichkeit: Die Grafschafter verkaufen auch direkt ab Hof beziehungsweise im eigenen Hofladen.
  Was den diesjährigen Ertrag der Äpfel-, Birn- und Zwetschgenbäume angeht, sind die Obstbauern im Kreis Ahrweiler optimistisch. Grund: Im Frühjahr hat es keinen extremen Frost gegeben. Und auch der kalte April hat den Äpfel- und Birnbäumen wenig anhaben können, da das Kernobst später als das Steinobst blüht. Mit den in den vergangenen Jahren vermehrt auftretenden Wetterkapriolen haben aber die Obstbauern aber trotzdem zu kämpfen.
  Lange Trockenheit wird nicht selten von Regenströmen abgelöst. Der größte "Feind" ist aber der Hagel, der auch in dieser Saison noch großen Schaden anrichten könnte. (peo)
Quelle: Rheinzeitung vom 07.07.2005
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