Vor sich hin moderndes Bauwerk gut saniert

Rückblick Sankt-Joseph-Kapelle wurde 1870 eingeweiht - In 80er- und 90er-Jahre geschlossen

Grafschaft-Beller. Seit Jahren steht der Schutzpatron Sankt Joseph längst wieder an seinem angestammten Platz in der Giebelnische. Und mitten in Beller, erhöht an der Straße nach Oeverich, befindet sich ein Kleinod mit einer langen, bewegten Geschichte: die Sankt-Joseph-Kapelle.


Die Sankt-Joseph-Kapelle ist ein schmuckes Gotteshaus.
Foto: H.Bach

  Das kinderlose Ehepaar Johann Joseph und Helena Kohlhaas ließ den Saalbau aus Backstein erbauen. Die Grundsteinlegung war am 20. Juni 1868, am 5. Juli 1870 erfolgte die Einweihung. Noch Anfang der 50er­Jahre gaben sich Paare dort das Jawort. Bereits damals waren Verfallsspuren deutlich sichtbar. 1980 konnte man in der Kapelle noch das Patronatsfest feiern, dann wurden die dicken Portaltüren verriegelt. Erst 1999 schloss der Beller Bürger Herbert Glath die Türen wieder auf. Modergeruch schlug ihm entgegen, die Kirche war in einem jämmerlichen Zustand. Der Holzwurm hatte sich In die Kirchenbänke und den Altar gefressen. Damit natürlich längst nicht genug: Der Putz rieselte damals von den Wänden, und das uralte Messbuch moderte vor sich hin. Das Wurzelwerk der alten Akazien drückte, sich unter dem Bau ausdehnend, die Platten im Inneren vom Fußboden. Außen hatten WurzeIn die alten Tonrohre verstopft, das Regenwasser konnte nicht mehr abfließen, die Drainage versagte den Dienst. Der auf Lehmboden stehende Bau stand unter Wasser. Das Haus drohte zu verfallen.
  Herbert Glath zog seinerzeit durch die Grafschafter Dörfer und gewann für das Projekt Kapellensanierung Mitstreiter. Längst ist ein Kanalabfluss hergestellt und die Drainage erneuert. Die Sitzbänke in der Kapelle sind behutsam und sorgfältig restauriert worden. Eine neue Eichentreppe führt zur Empore hoch, auf der die gestiftete Orgel ihren Platz gefunden hat. Die alten Kreuzwegbilder sind in Eichenrahmen zu Bildleisten zusammengefasst. Vom steht ein stilvoller Eichenaltar. Der Innenputz ist ebenfalls fachmännisch aufgetragen. Aus dem ehemals maroden Gebäude ist längst wieder ein friedvoller Ort für Einkehr und Gebet zugleich geworden.
Horst Bach

Quelle: Rheinzeitung vom 07.12.2011


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