Goldbären bald in der Grafschaft?

Wirtschaft Haribo sucht 30 Hektar Fläche für ein Logistikzentrum
Mehrere Kommunen angefragt

Grafschaft. Die Gemeinde Grafschaft kann sich einmal mehr Hoffnung machen, dass Haribo seine Zelte in der Grafschaft aufschlagen wird. Aktueller Anlass: Der Gummibärchen-Hersteller aus Bonn sucht in einem Umkreis von 35 Kilometern rund um die Bundesstadt eine Gewerbefläche von circa 30 Hektar. Wie Firmensprecher Marco Alfter gestern auf Anfrage bestätigte, hat das Traditionsunternehmen über eine Immobilienfirma Anfragen an mehrere Kommunen in der Region gestellt, darunter Rheinbach, Bornheim, Euskirchen - und eben auch Grafschaft.
  An dem noch zu findenden Standort soll nach Unternehmensangaben zunächst ein Logistikzentrum entstehen. Dabei wird es sich um ein vollautomatisches Hochregallager handeln. Ein solches mit 11400 Palettenplätzen für Gummibärchen, Lakritzschnecken und Co. hatte Haribo im vergangenen Jahr an seinem Standort in Solingen eröffnet. "Das Hochregallager am neuen Standort kann sogar noch größer werden", erläuterte Alfter. Eine Verlagerung der Produktion habe damit aber nichts zu tun.


Haribo sucht ein Grundstück für ein Logistikzentrum und langfristig auch für Produktionsanlagen. Bei der Auswahl des Standortes ist auch die Gemeinde Grafschaft im Rennen. Infrage kommen der Innovationspark Ringen (Foto) und das Gewerbegebiet Gelsdorf. Foto: Vollrath
  Allerdings schloss der Firmensprecher nicht aus, dass es zu einem späteren Zeitpunkt sehr wohl zu einer Verlagerung vom Stammsitz an den neuen Standort kommen könnte. Drei Möglichkeiten hält sich laut Alfter das Unternehmen langfristig offen: einen Komplettumzug aus Bonn, eine Verlagerung der Produktion, während die Verwaltung in Kessenich bleibt, oder auch einen Umzug einzelner Fertigungsschienen. Eine Entscheidung über den neuen Standort sei noch nicht gefallen. "Ende des Jahres wollen wir den Kauf aber abschließen", erklärte Alfter gegenüber der RZ.
  "Das Unternehmen wäre uns herzlich willkommen", kommentierte Bürgermeister Achim Juchem das neuerliche Interesse des Süßwarenherstellers an der Grafschaft. Immerhin handele es sich um ein Unternehmen mit Weltruf. "Haribo wäre ein hervorragender Werbeträger", so der Bürgermeister. Infrage kommen zwei Standorte: das Gewerbegebiet in Gelsdorf oder der Innovationspark in Ringen. Zu den Chancen sagte Juchem: "Wir bemühen uns. Wir sind von unseren Standorten überzeugt." Angesichts der Grundstückspreise, der Autobahnanbindung und der hohen Zahl von Pendlern in der Region "spricht vieles für uns".
  Die Grafschaft ist seit Jahren immer wieder im Gespräch als Haribo-Standort. 2009 hatten die Hoffnungen allerdings einen Dämpfer bekommen: Ein Rechtsstreit mit einer Finanzbehörde in Rheinland­Pfalz und die Äußerungen eines Beamten gegenüber Haribo-Chef Hans Riegel hatten die Gemeinde Grafschaft zwischenzeitlich aus dem Rennen geworfen.
  Für den Innovationspark interessiert sich übrigens auch ein anderer Süßwarenhersteller: Der aus Siegburg stammende Confiseur Oliver Coppeneur, der zurzeit in Bad Honnef und Rheinbreitbach produziert, will sich vergrößern und findet den Standort Ringen "hochinteressant", wie er der RZ erzählte. Er sucht ein Grundstück von 15000 Quadratmetern. Frieder Bluhm

Quelle: Rheinzeitung vom 10.02.2012


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