Kinder basteln Dörfer der Zukunft

Viertklässler modellierten Ringen, Beller und Bölingen so, wie sie es sich wünschen - Projekt mit kanadischem Roboter-Künstler

Die Gemeinde Grafschaft macht sich fit für die Zukunft, und zwölf Kinder der Grundschule Ringen wirkten dabei schon besonders kreativ mit.

GRAFSCHAFT. Rund ein halbes Jahr plante und baute ein Dutzend neun- und zehnjähriger Jungen und Mädchen aus der 4. Klassenstufe der Grundschule Ringen das Projekt "Cyber Village Grafschaft - Mein Dorf hat Zukunft". Nun präsentierten sie im Rathaus ihr "Dorf der Zukunft" und luden die Besucher der Ausstellung ein, die virtuellen Cyber Village Bel­ler, Ringen und Bölingen mit Kameraaugen von "Sunny" , dem selbst gebauten Videoroboter, aus der Fußgängerperspektive zu erkunden. Neben den Videobildern von "Sunny", die großflächig per Beamer auf eine Leinwand übertragen wurden, gab's im Rathaus-Foyer auch zwölf Modelle im Maßstab 1 :50 zu sehen: ein schmuckes Fünf-Sterne-Hotel und einen Abenteuerspielplatz im Innovationspark, bunte Spielplätze, einen Basketball- und Golfplatz an der Bölinger Freifläche "Am Acker", einen Irrgarten und Pfad der Sinne am Jugendbüro und ein Schokoschwimmbad.
  Ideen zum Pappelstadion Fit für Bundes- jugendspiele wurde auch das Ringener Pappelstadion gemacht. "Dass es hier jetzt neue Tore gibt, finden wir gut. Leider fehlt noch immer ein Ballfangzaun hinter den Toren. Außerdem würden wir uns eine Anzeigetafel wünschen. Rund um das Pappelstadion sollte eine Laufbahn und an dem Eingang eine Umkleidekabine errichtet werden. Die Sprunggrube müsste natürlich verlegt werden - sie ist ja mittendrin. Ein bisschen Sand dürfte auch an die Volleyballanlage gebracht werden, dann tut es beim Fallen nicht so weh", erklärten die Pappelstadion-Erbauer Jens, Mikel, Lena, Sarah und Christina ihren Entwurf.


Zwölf Jungen und Mädchen von der Grundschule Ringen planten und bauten ihre "CyberVillage Grafschaft". Mit den Bildern aus der Maus "Sunny" (vorne), die großflächig auf eine Leinwand übertragen wurden, konnten die Besucher die einzelnen Modelle aus der Fußgängerperspektive erkunden. Foto: Horst Bach
 "Ziel des Projektes war es, Kindern und Jugendlichen einen Raum zu bieten, in dem sie ihre Wünsche und Bedürfnisse reflektieren und mit Mitteln der Medienkunst und der Bildenden Kunst kreativ ausdrücken können" , erklärte die Sozialpädagogin Christina Noack vom Kinder- und Jugendförderverein Grafschaft, die mit Brigitte Haselhoff, Rektorin der Grundschule Ringen, und dem Team "Cybercity Ruhr" das Projekt begleitete.
  Zum Nulltarif waren die Visionen nicht zu haben, die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 8500 Euro. "Gerade vor dem Hintergrund aktueller Debatten über den Zusammenhang demografischer Entwicklungen und kindgerechter Lebenswelten ist es wichtig, Gemeinden für Kinder und Jugendliche attraktiv zu gestalten", hob Bürgermeister Achim Juchem hervor und versicherte, die Verzahnung des Projektes werde mit der Aufstellung der Dorferneuerungskonzepte mit der Gemeinde Grafschaft abgestinunt.
  Bevor es in die Bauphase ging, wurden die Orte Ringen, Beller und Bölingen bei einer Exkursion erkundet. Noack: "Im Anschluss haben wir diskutiert, was im Dorf fehlt und wie die Zukunft der Grafschaft aussehen kann. Zusammen mit dem kanadischen Medien- und Roboter­Künstler Graham Smith konstruierten die Kinder einen mobilen Roboter, der mit einer Videokamera ausgestattet wurde und der über eine Fernbedienung steuerbar ist."
  Werkeln in der Schule Beim Bau des Cyber Village, der einmal in der Woche und in drei Gruppen in der Grundschule über die Bühne ging, planten die jungen Baumeister die Perspektiven des Roboters mit ein. In der Ausstellung wurden die Modellelemente von Panoramafotowänden umgeben, um einen möglichst realistischen Eindruck der Dörfer der Zukunft zu vermitteln. "Die Schüler stellten ihren Ortsbezirk so dar, wie sie ihn erleben, wählten aus, was ihnen besonders wichtig ist, und fügten Elemente ein, die es im Dorf noch nicht gibt, die sie sich aber für die Zukunft vorstellen" , erklärte Noack. Die Kinder erhielten als Lohn von Bürgermeister Juchem jeweils einen Gutschein für ein Buch, und Christina Noack versprach: "Am Ende der Ausstellung, die noch bis Ende März im Rathaus zu sehen ist, darf sich jedes Kind ein Modell aussuchen und mit nach Hause nehmen." (hb)

Quelle: Rheinzeitung vom 10.03.2009


  Zurück