Zickzackkurs in Bölingen

Neue Ortsdurchfahrt wird kritisiert - Anwohner klagen über erhöhtes Unfallrisiko

Die kritischen Stimmen mehren sich: Ist die Ortsdurchfahrt Bölingen nach dem Neubau für die Bürger gefährlicher geworden?


In Schlangenlinien durch parkende Autos: Die neue Ortsdurchfahrt Bölingen mit Parknischen und abgesenktem Bürgersteig wird kritisiert: mehr Unfälle, mehr Raser, mehr Gefährdungspontenzial für die Fußgänger.
Foto: Vollrath

Bölingen. Mehr Unfälle, mehr Raser, ein größeres Risiko für Anlieger und Schulkinder - die neue Ortsdurchfahrt Bölingen kommt im Dorf in Verruf. Dabei schienen doch zunächst alle zufrieden mit dem Ausbauprojekt:
  Wenn Straßenbauarbeiter von Anwohnern mit einem guten Schluck, Steaks und Grillwürstchen versorgt werden, darf man annehmen, dass die Bürger zufrieden sind mit den Handwerks- und Planungsleistungen. So war es jedenfalls im Grafschafter Ortsteil Bölingen, wo Ende Juni nach rund einem Jahr Bauzeit die Ortsdurchfahrt feierlich eingeweiht wurde. Die Bölinger freuten sich seinerzeit über die schöne, neue Straße, die dem Ort gleich ein ganz anderes Bild verleihe ­sagten Etliche.
  Die Stimmung ist mittlerweile umgeschlagen. Denn es kracht vermehrt auf der Hauptstraße im Dorf, und die gestiegene Unfallgefahr auf der Rheinbacher Straße ist Anliegern mittlerweile ein Dom im Auge. "In den letzten Wochen kam es gleich dreimal hier im Ort zu heftigen Verkehrsunfällen. Zuletzt krachte ein Autofahrer sogar vor meiner Haustür in ein parkendes Fahrzeug und schleuderte es weit über den Bürgersteig. Am Haus sind über eine Länge von gut 18 Meter noch deutlich die Schrammspuren zu erkennen. Wenn da in dem Moment jemand gegangen wäre, hätte es Tote gegeben", berichtet Andrea Linden. Gefährlich sei es überhaupt, betonte die Galeristin Linden, aus dem eigenen Haus zu kommen und den Bürgersteig zu betreten. Denn im Ort werde inzwischen Slalom gefahren. "Und wenn die Straße nicht ausreicht, dann nehmen Auto-, Bus- oder Lkw­Fahrer im Hindernisparcours auch noch den Bürgersteig zum Ausweichen mit dazu", machte sie ihrem Ärger Luft. Verursacht würde die Slalomfahrt durch Bölingen durch "die versetzt eingezeichneten Parkplätze und durch weiterhin wild am Straßenrand parkende Fahrzeuge", stellte Andrea Linden fest und hat gleich eine Lösung parat: Die Bürgersteige sind zu niedrig, drum müssen die Kantensteine erhöht oder Poller auf den Gehweg "gepflanzt" werden. "Dann hört das Ausweichen auf den Bürgersteig auf. Es geht ja auch darum, Kinder auf dem Fußweg zu schützen", betont die Anliegerin.
  Ihre Ängste und Bedenken habe sie bereits der Gemeindeverwaltung mitgeteilt, "aber da hört ja keiner richtig zu oder sie wiegeln ab - es muss wohl erst richtig mal was passieren; hoffentlich aber nicht".
  Die Parksituation erregt derweil allgemein die Gemüter in Bölingen. "Bereits seit Wochen werden Klagen über das Parken an dem Parkplatz Finkenstraße registriert", betonte kürzlich noch der Ringener Ortsvorsteher Anton Palm. Ein Kastenwagen behindere dort immer wieder "den Überblick für Fußgänger und für Fahrzeuge, die in die Rheinbacher Straße wollen", sagte Palm. Vor allem für Schulkinder, die die Straße überqueren und zur nahen Bushaltestelle müssen, stelle "die Sichtbehinderung eine große Gefahr dar".
  Damit nicht genug: Fließt der Verkehr auf der neuen L 83, geht es auch ortsansässigen Kommunalpolitikern oft viel zu schnell. "Vom Ortsausgang Bölingen in Richtung Ringen wird häufig wesentlich zu schnell gefahren", befindet Palm. Erst neulich hatte sich der Ortsbeirat Ringen dafür ausgesprochen, die Gemeinde Grafschaft zu bitten, bei der Polizeiinspektion Ahrweiler für die Durchführung von Geschwindigkeitskontrollen auf der Rheinbacher Straße zu plädieren. (hb)

Quelle: Rheinzeitung vom 10.09.2010


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