Baumstamm bestätigt Teichthese

Bauarbeiter eröffneten einen Blick in die Dorfgeschichte von Bölingen

BÖLINGEN. Am Montagnachmittag sind Bauarbeiter beim Auskoffern des Straßenbetts in Bölingen vor dem Haus Rheinbacher Straße 127 auf den Stamm und einige Äste eines alten Baumes gestoßen. Er hat einst auf der heutigen Grenze zwischen den Häusern 127 und 129 gestanden.
  Der Stamm hat eine Länge von circa sechs Metern und lag in etwa 80 Zentimeter Tiefe in einer schwarzen sumpfigen Erd- und Tonschicht, während sonst unter der Straßenoberfläche in dieser Tiefe reiner Lehmboden zu finden ist. Die Verfärbung und Beschaffenheit des Bodens deutet auf eine alte Wasserstelle hin. Diese Vermutung wird bestätigt durch ein kleines Steinkreuz, das früher im Vorgarten vor dem Haus Rheinbacher Straße 129 stand. Es trug die Inschrift "1659 IOHANES WASWELER" . Nach mündlicher Überlie- ferung soll dieser Johannes Wasweler hier in einem Weiher ertrunken sein.


Eine schlüssige Vermutung, wie der Stamm ins Erdreich gekommen sein könnte, ist die Teichthese, die besagt: Vor 350 Jahren war hier der Dorfweiher von Bölingen.
  Dies bestätigt sich jetzt durch den Fund des Baumes. Vor genau 350 Jahren muss sich also hier in der Mitte des Dorfes ein Teich befunden haben. Irgendwann kippte der Baum in den Teich, später wurde der Weiher verfüllt. Aus der Länge des Stammes ergibt sich eine Vorstellung von der Größe des Teiches, dessen (eine) Seitenlänge mindestens sechs Meter gewesen sein muss. Vielleicht gab der genannte Todesfall sogar den Anlass, den Weiher zu beseitigen. Eine dendrochronologische Untersuchung eines Astes könnte darüber genau Auskunft geben.
Ottmar Prothmann

Quelle: Rheinzeitung vom 19.08.2009


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