Autobahnanschluss wird komplettiert

Mainz gibt grünes Licht: Vom IPR direkt auf die A 61 Richtung Koblenz

Lange Zeit hieß es aus Mainz, dass kein Geld da sei, um die Verkehrsanbindung des Innovationsparks an die Autobahn zu komplettieren. Gestern kam überraschend grünes Licht aus der Landeshauptstadt: Schon im nächsten Jahr wird mit den Arbeiten begonnen.
  GRAFSCHAFT. Noch im Juni dieses Jahres erklärte ein Sprecher des Mainzer Verkehrsministeriums, dass der Autobahnzubringer von Grafschaft-Ringen in Richtung Koblenz erst realisiert wird, wenn ein Großinvestor wie Haribo sich im Innovationspark Rheinland (IPR) ansiedelt. Diese Zusage kam bislang zwar nicht, doch gestern teilte der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering mit, dass die Anbindung ab dem kommenden Jahr komplettiert wird. Derzeit erarbeitet der Landesbetrieb Straßen und Verkehr die Ausführungsplanung und die Ausschreibung.


2002 wurde der erste Bauabschnitt zur Anbindung des Innovationsparks an die Autobahn fertiggestellt (Foto). Jetzt gab es grünes Licht aus Mainz: Bald werden die fehlenden Anschlüsse gebaut.
Foto Archivbild: Vollrath

  Zur Erinnerung: 2001 wurde in einem ersten Bauabschnitt mit der Anbindung des IPR an die A 61 in Fahrtrichtung Köln und die A 573 begonnen. Seit 2002 stehen vier der für einen Vollausbau erforderlichen sechs Verkehrsanschlüsse zur Verfügung. Die noch fehlenden zur A 61 Richtung Koblenz und zur A 573 nach Bad Neuenahr­Ahrweiler folgen jetzt in einem zweiten Bauabschnitt. Dies wird nach Angaben des Mainzer V erkehrsministeriums mindestens 2,2 Millionen Euro kosten. Die Arbeiten werden voraussichtlich zwei Jahre dauern.
  Für den bereits bestehenden Verkehrsanschluss, mit dessen Bau im August 2001 begonnen wurde, hat man damals rund sieben Millionen Mark ausgegeben. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister erhofft sich durch die komplettierte Autobahnanbindung einen weiteren positiven Impuls für die Vermarktung des IPR. " ;Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur sind auch Investitionen in die wirtschaftliche Entwicklung einer Region" , sagte Hering.


K o m m e n t a r
Kommt mit dem Zubringer Haribo?
Evelyn Stolberg zu einer wegweisenden Entscheidung
Der fehlende Verkehrsanschluss, der den Innovationspark auch mit der A 61 in Rich­tung Koblenz verbindet, kommt doch schneller als gedacht. Das wirft natürlich Fragen auf. Schließlich ließ das Mainzer Verkehrsministerium noch im Sommer ver­ lauten, dass nur, wenn sich ein Großinvestor wie der Süß­waren hersteller Haribo in dem Ringener Gewerbegebiet niederlässt, Geld dafür ausgegeben wird. Die Komplettie­rung der Anschlüsse kostet immerhin ein paar Millionen, und mit der Ansiedlung einiger kleinerer oder mittelständi­scher Unternehmen lässt sich diese Investition nicht wett­machen. Doch es liegt auf der Hand, dass das Bonner Un­ternehmen, dessen Naschwerk weltweit verkauft wird, ohne Autobahn-Vollanschluss nie kommen wird. Sind also bereits Entscheidungen gefallen, die noch nicht durchgesickert sind? Macht der komplette Autobahnanschluss Haribo froh und die Gemeinde Grafschaft ebenso? Offiziell ist nichts. Und vielleicht bleibt die Ansiedlung des Süßwaren-Giganten im Kreis Ahrweiler nur ein schöner Traum. Andererseits ­dass der langjährige Goldbären-Werbeträger Thomas Gott­schalk sich ausgerechnet das Schloss Marienfels in Rema­gen als Bleibe aussuchen würde, hätte zunächst auch nie­mand gedacht.

  Im August führten die SPD­Landtagsabgeordnete Petra Elsner und Grafschafts Bürgermeister Achim Juchem Gespräche mit Hering. Damals betonte der Minister, dass eine so hohe Investition nur getätigt werden kann, wenn ihr eine nennenswerte Anzahl von Arbeitsplätzen gegenübersteht.
  Der Süßwarenhersteller Haribo, der bereits seit geraumer Zeit an eine Auslagerung des Bonner Werks denkt und dafür Flächen in Rheinbach und der Gemeinde Grafschaft unter die Lupe genommen hat, wird in den nächsten Tagen mitteilen, ob die Nachricht bei der Entscheidung eine Rolle spielen wird. Petra Elsner jedenfalls begrüßt die anstehende Realisierung des Anschlusses in Richtung Süden. "Das letzte große Vermarktungshindernis für den Innovationspark wird nun beseitigt", erklärte sie.
  Schon seit geraumer Zeit warb die heimische Abgeordnete in der Landeshauptstadt für den Vollausbau, da einige Firmen mit dem Hinweis auf die fehlende Anbindung von einer Ansiedlung in der Grafschaft Abstand genommen hatten. "Jetzt wird die Ansiedlung noch attraktiver. Dies wird sicher auch einen wirtschaftlichen Schub für den gesamten Kreis Ahrweiler bringen" , vermutet Elsner. Die Bundestagsabgeordnete Andrea Nahles zeigte sich ebenfalls erfreut, als sie gestern von der Entscheidung erfuhr. "Vor sechs Wochen besuchte ich Bürgermeister Juchem vor Ort, um mir selbst ein Bild zu machen. Und vor zwei Wochen telefonierte ich mit Minister Hering, um ihm nach vielen Gesprächen nochmals zu verdeutlichen, wie wichtig ein kompletter Anschluss ist. Dass schon im kommenden Jahr mit der Realisierung begonnen wird, ist große Klasse. Denn die Anbindung schafft neue Arbeitsplätze in der Region. " Egon Mohr, Büroleiter der Gemeinde Grafschaft, "begrüßt die Entscheidung aus Mainz außerordentlich" . Denn sie wird sich" positiv auf die Verhandlungen mit Investoren auswirken, mit denen die Gemeinde derzeit im Gespräch ist".
  Mohr ist sicher, dass der Vollanschluss prägend für die weitere Entwicklung des Innovationsparks und die Gemeinde Grafschaft sein wird. "Und da jetzt alle Rahmenbedingungen geschaffen sind, werden wir in den nächsten Tagen natürlich nochmal auf die Firma Haribo zugehen."
Evelyn Stolberg

Quelle: Rheinzeitung vom 21.10.2006


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