Kinder ernteten dicke Kartoffeln

Ringener Grundschüler erlebten ein Jahr lang mit, wie sich ihre selbst gepflanzten Erdäpfel auf dem Feld entwickelten

Vergangenes Schuljahr verlegte Lehrerin Stefanie Bison einen Teil des Naturkun-deunterrichts mit ihrer Klasse in die freie Natur. Zwar hatten die Ringener Grundschüler schon einiges über das Säen und Ernten gehört, doch es war für sie doppelt spannend, auf einem Feld von Landwirt Karl-Josef Jöntgen bei Karweiler die eigenen Kartoffeln bei der Entwicklungzu beobachten. Denn damals setzte jedes Kind eine Reihe von zehn Pftanzen auf dem vorgesehenen Areal, jetzt wurde mit Freude geerntet.
  GRAFSCHAFT. "Seht euch mal den Traktor an", ruft einer der Drittklässler hellauf begeistert und rennt zu dem großen Gefährt. Landwirt Karl-Josef Jöntgen lächelt zufrieden, denn es gefällt ihm, dass die kleinen Besucher der Ringener Grundschule sich so für den Bauernhof und die Arbeit, die dort jeden Tag geleistet werden muss, interessieren. Daher erzählt er den Neugierigen gerne, dass er neben Kartoffeln auch Weizen, Roggen, Gerste, Raps und Rüben anbaut. Zudem bietet er auf einem Feld an der Straße Blumen und Gemüse zum Selberpflücken an. Gespannt hört der Nachwuchs Bauer Jöntgen zu. Doch die Grundschulkinder wollen die Umgebung natürlich trotzdem selbst genau kennen lernen und erkunden daher wissbegierig jede Ecke. Als Belohnung wartet auf sie zur Stärkung leckerer Kartoffelkuchen.
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Fleißig sammelten die Ringener Grundschüler ihre Kartoffeln ein, die sie im vergangenen Jahr auf dem Feld von Landwirt Karl-Josef Jöntgen angepflanzt hatten. Foto: Martin Gausmann
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  Im Verlauf des Sommers haben die Kinder bereits ab und an bei "ihrem" Acker vorbeigeschaut und beobachtet, wie sich die Pflanzen auf dem Feld entwickelten. Nun sind die Kinder mittlerweile im 3. Schuljahr und die selbst gepflanzten Kartoffeln reif. Groß ist ihre Freude bei der gemeinsamen Wanderung zum Feld - denn bei strahlendem Sonnenschein können sie die Erdäpfel eigenhändig ernten. Leider sind einige Pflanzen von Unbekannten herausgerissen worden - und zwar zu einer Zeit, als die Knollen noch gar nicht reif waren. Das lässt auf pure Zerstörungslust schließen. So machten die Grundschiller im Laufe der Aktion auch die Erfahrung, dass nicht alle Menschen vernünftig handeln.
  Elternsprecher Joachim Doll unterstützte die Ernte­Aktion, indem er kräftig die Hacke schwang. Zusätzlich setzte Bauer Jöntgen einen so genannten Holder ein, um die Reihen zu öffnen und den Kindern das Sammeln der Knollen zu erleichtern.
  Er erkärte ihnen,daß sie überwiegend die Sorte Celena gepflanzt hatten, die festkochend für fast alle Gerichte geeignet ist. In jeder Reihe hatten die Kinder jedoch auch zwei Pflanzen einer roten Sorte gesetzt, die ebenfalls gut in der Küche zu verwenden ist.
  Aus dem Unterricht wussten die Steppkes noch, dass Kartoffeln am besten im kühlen Keller zu lagern sind. Anhand eines Beispiels zeigte Karl-Josef Jöntgen dann noch, wie sich Kartoffeln grün verfärben, wenn sie dem Licht ausgesetzt sind. "Dann sind sie nicht genießbar", sagte der Landwirt.
  Mit Körben und Eimern stürmten die Kinder nach der Theorie das Feld und sammelten die Kartoffen in großen Säcken ein. Sie lernten dabei, dass manche Saatkartoffeln acht neue Kartoffeln hervorgebracht hatten, andere sogar einen Ertrag von bis zu 20 Knollen aufwiesen. Großes Hallo rief dann die Entdeckung von Mäusen hervor, die - von der quicklebendigen Erntemannschaft aufgeschreckt - hurtig ins nächste Feld huschten.
  Einen Teil ihrer Ernte nahmen die Kinder mit nach Hause. Sie freuen sich schon darauf, dass in der heimischen Küche daraus leckere Gerichte werden. Reibekuchen stehen hoch im Kurs, aber auch für Bratkartoffeln können sich die Drittklässler erwärmen.
  Für die Lesenacht in der Schule, die am Freitag stattfindet, können die Kinder ihre Kartoffeln ebenfalls gut gebrauchen. Denn sie bereiten hierfür einen leckeren Kartoffelsalat aus den eigenen Feldfrüchten zu. Und gebastelt wird ebenfalls mit den tollen Knollen. Sie werden zum Beispiel beim Laternenbau eingesetzt.
  Auf dem Tornfelder Hof wurden die Nachwuchs­Landwirte auch nach der Ernte noch einmal freundlich bewirtet. Der natur- und lebensnahe Unterricht wird den Ringener Jungen und Mädchen sicher lange im Gedächtnis bleiben. Sissi Melchiors

Quelle: Rheinzeitung vom 22.09.2005


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