FOC: Ruf zur Besonnenheit

Grafschafter Bürgermeister Achim Juchem: Zu früh, um Projekt zu bewerten
Warten auf Gutachten

Kritiker eines möglichen Fabrlkverkaufszentrums In der Grafschaft schießen sich schon kräftig auf das Projekt ein. Ungerechtfertigterweise, sagt Bürgermeister Achim Juchem und erklärt wieso.
 
GRAFSCHAFT / AHRKREIS / REGION. Angesichts der heftigen Kritik der Bürgermeister des Rhein-Sieg-Kreises am "Eifel-Ahr-Portal" samt Fabrikverkauf in einem Factory Outlet Center (FOC) mahnt der Bürgermeister der Grafschaft, Achim Juchem, zur Ruhe. "Ich habe den Eindruck, dass hier überreagiert wurde", kommentiert Juchem das Schreiben des Rheinbacher Stadtchefs Stefan Raetz, der es auch im Namen seiner 18 Kollegen abgeschickt hatte (die RZ berichtete).
  "In meinen Augen liegen noch zu wenige konkrete Aussagen vor, um das Projekt beurteilen zu können", sagte Juchem. So gebe es bisher beispielsweise keine Beschlüsse oder genaue Angaben zur Fläche und zum Warenkorb. Wie geplant sollen zunächst zwei Gutachten abgewartet werden. Mit der Fertigstellung des ersten, einer Tourismus-Potenzialanalyse, sei innerhalb der nächsten zwei Wochen zu rechnen, dann soll sie in den politischen Gremien erörtert werden. Die Arbeit geht der Frage nach, wie Shoppen und touristische Angebote sinnvoll verknüpft werden können und greitt auf Erfahrungen vergleichbarer Verkaufszentren im Ausland zurück.
  Dagegen wird die Verträglichkeitsanalyse zum Einzelhandel nach Jucherns Einschätzung in drei oder vier Monaten vorliegen. Darin wird etwa untersucht, inwieweit die Geschäftsleute der Nachbarkommunen von dem Portal in der Grafschaft betroffen sind, wie viele Kunden sie verlieren könnten. Komme die Verträglichkeitsstudie zu dem Ergebnis, dass ein "Eifel-Ahr-Portal" mehr als zehn Prozent der Kaufkraft aus umliegenden Kommunen abzieht, sei das Projekt gestorben. Liegt der Wert darunter, könne im nächsten Schritt ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren nötig werden, da ein derartig großes Einkaufszentrum voraussichtlich mit den Zielen der Landesentwicklungspläne III und IV kollidiert.
  Vor einigen Wochen hatten CDU, SPD, FWG und FDP aus der Grafschaft in einer gemeinsamen Erklärung hervorgehoben, dass das Projekt der gesamten Region nutze. Sie bemängelten, dass "fast ausschließlich auf die Funktion eines Outlet-Centers abgestellt" werde, obwohl dies zu kurz greite. So umfasst das "Eifel-Ahr-Portal" ersten ­nicht verbindlichen - Plänen zufolge Läden mit einer Gesamtverkaufsfläche von 26 000 Quadratmetern (davon vor allem Bekleidung) eine Markthalle, in der heimische Produkte angeboten werden (etwa Wein, Wild, Gemüse) sowie Raum für die touristische Vermarktung des Ahrkreises. Als Etikettenschwindel brandmarken die Bürgermeister aus dem Rhein-Sieg-Kreis das "Eifel-Ahr-Portal": "Wortakrobatik" sei das, wenn über Namen wie eben "Eifel-Ahr-Portal" versucht werde, "vom Hauptteil der offensichtlich geplanten Ansiedlung, nämlich einem für die umliegenden Städte und Gemeinden absolut schädlichen ,Factory Outlet Center', abzulenken". Weiter heißt es: "Nur durch die Platzierung in einem ,Innovationspark' wird aus einem FOC noch nichts Innovatives! Natürlich ist es ein klassisches Einkaufszentrum, wenn auch mit dem Schwerpunkt Bekleidung.
  "Eine Absage erteilten die Politiker aus dem Nachbarkreis zudem der Ansicht, dass die ganze Region vom Projekt gewinnt: "Welcher Factory-Outlet-Center-Besucher interessiert sich für die Region? Keiner! Es geht nur um günstiges Einkaufen, genügend Parkplätze und schnelle Erreichbarkeit. " (tfi)

Quelle: Rheinzeitung vom 22.11.2008


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