Viel Spaß beim Brauchtum

Junggesellen in der Grafschaft pflegen uralte Traditionen
Schon die jungen Römer wurden eingeseift

Das Maibaumaufstellen und die Aufnahmerituale Im Junggesellenverein gehören zu Traditionen, die bis In das 12. Jahrhundert zurückgehen. Bel den Junggesellenvereinen In der Grafschaft werden sie heute noch gepflegt.
  GRAFSCHAFT. Im Mai kommen die Junggesellen der Grafschaft so richtig in Fahrt. Nach altem Brauch begrüßen sie den Wonnemonat in vielen Orten mit dem Aufstellen von Maibäumen.

 


Zu Ehren des Königspaares Daniel Müller und Jessica Ley werden bel den Rlngener Junggesellen die Fahnen geschwenkt. Eine von vielen Traditionen, die die jungen Leute In der Grafschaft pflegen. Foto: Vollrath

Diese Tradition geht zurück auf die Begrüßung des Frühlings, die bereits um 1200 dokumentiert ist. Im 13. Jahrhundert feierte man den 1. Mai mit grünen Zweigen und Maien (Bäumchen), die während des Maibegrüßens als "Schmuckmaien" dienten oder als Ehren­ und Liebesmaien verschenkt wurden.
  Sie sind historische Vorläufer des Maibaums und waren ursprünglich Birken, weil diese als erste aus der Winterstarre erwachen. Die Birke gilt als Symbol für Kraft, Anmut und Lebenswillen. Heute stehen in vielen Ortschaften Fichten, die im Mai austreiben und als festliches Symbol für Licht und Wärme stehen. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts pflegt man den Brauch, hohe Fichten mit Kränzen und Bändern zu schmücken, auch als Wirts- und Tanzbaum.
  Wenn die Junggesellen im Frühjahr wieder neue Mitglieder aufnehmen, werden ebenfalls alte Traditionen aufgegriffen. Michael Kunze, der Vorsitzende der Gelsdorfer Junggesellen, berichtet, dass bereits im März sieben Neulinge das heitere Ritual der Aufnahme "durchleiden" mussten. Nachdem die Neuen einen humorvollen Schwur geleistet hatten, wurden sie nach allen Regeln der Kunst eingeseift und rasiert. "Es macht zwar Spaß, aber keiner will das zwei Mal machen" , so der Vorsitzende, der auch verriet, dass geheimnisvolle Tränke eine Rolle bei der Zeremonie spielen. In Nierendorf nahmen die Junggesellen neun Neue auf, in Oeverich-Niederich waren es zwei.
  Der Ursprung des "Einseifens" liegt vermutlich im militärischen sowie im studentischen Bereich. Schon im antiken Rom wurde Wert darauf gelegt, sich von langhaarigen, bärtigen Barbaren zu unterscheiden. Mit Eintritt in den Militärdienst wurden daher Haare und Bart gestutzt, und aus dem Vorgang entwickelte sich ein ritueller Brauch, der die Aufnahme in eine bestimmte Gemeinschaft symbolisierte. Derartige Aufnahmerituale pflegten auch die ersten "Collegien" an den spätmittelalterlichen Universitäten des 13. Jahrhunderts.
  Der Junggesellenverein Birresdorf mit seinem Vorsitzenden Jan Riedl geht in diesem Jahr neue Wege. In der Nacht zum 1. Mai stellten die Junggesellen hier 17 Nachwuchs-Junggesellen auf die Probe, ob sie der Aufnahme in den Verein würdig und in der Lage sind, ordentlich Maibäume zu stellen. Natürlich ging es auch hier nicht ohne Rasieren ab. Zusätzlich waren von den Neuen unfertige Bäume auf die richtige Länge zu sägen. In Teams stand zudem Kräfte zehrendes "Baumlaufen" auf dem Programm. Anhand eines schön hergerichteten " Musterbaums" mussten die munteren Junggesellen-Anwärter ihr Geschick im Schmücken der Maibäume unter Beweis stellen. Dabei konnten sie auf die fachmännischen Tipps der zahlreichen Zuschauer zurückgreifen, denn das heitere Geschehen rund um die Junggesellen sowie das Maiansingen des Gemischten Chors von Birresdorf zog viele Besucher auf die Straße.
  Das Konzept, einen heiteren Abend für die ganze Familie zu bieten, ging auf. Jan Riedl hofft, dass sich aus dieser fröhlichen Form der Aufnahme von Mitgliedern eine neue Birresdorfer Tradition entwickelt. (sm)

Quelle: Rheinzeitung vom 23.05.2006


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