Haribo will nicht in die Grafschaft

Gemeindebürgermeister Achim Juchem bezweifelt Endgültigkeit der Entscheidung - Rheinbach plant Bus- und Bahmanschluss
Der Süßwaren-Riese Haribo verlässt seinen traditionellen Stammsitz Bonn-Kessenich und zieht anscheinend ins nahe gelegene Rheinbach um. Der Gemeinde Grafschaft erteilte das Unternehmen dagegen eine Abfuhr.
 
GRAFSCHAFT. Der Auszug aus Bonn ist beschlossen, Deutschlands größter Süßwarenhersteller Haribo wird seinen Stammsitz Bonn verlassen: Doch der "Goldbär" wird wohl kein Grafschafter, sondern soll nun die Stadt Rheinbach froh machen. "Rheinland-Pfalz ist aus dem Rennen. Als neuen Standort favorisieren wir momentan Rheinbach", erklärte Haribo­Sprecher Marco Alfter gestern gegenüber der RZ. Der Grafschaft hingegen erteilte der Süßigkeiten-Riese eine Abfuhr. Ein Rechtsstreit mit einer Finanzbehörde in Rheinland-Pfalz und die Äußerungen eines Beamten gegenüber Haribo-Chef Hans Riegel seien der Auslöser, betont der Haribo-Sprecher.


Die "Goldbären" hält nichts am IPR. Foto: Vollrath
  Die Nachricht, dass die Grafschaft für den Süßwarenproduzenten nicht mehr zur ersten Adresse zählen soll, lässt den Grafschafter Bürgermeister Achim Juchem gelassen. Was die Vorteile der Grafschaft angeht, so wurden durch Bürgermeister Achim Juchem immer wieder die günstigen Grundstückskonditionen, die niedrigen Steuersätze, der direkte Autobahnanschluss und das Wohn- und Arbeitsumfeld in den Vordergrund gestellt.
  "Wenn das wirklich so sein sollte, kann ich die Entscheidung nur bedauern", so Juchem in einem Gespräch mit der RZ. "Ich glaube nicht, dass in der Standortfrage das letzte Wort gesprochen und dass die Grafschaft für das Unternehmen vom Tisch ist." Juchems Hoffnung: "Da gibt es zwei Gesellschafter, die die Entscheidungen fällen. Und Paul Riegel ist, was die Standortwahl Rheinbach angeht, deutlich zurückhaltender."
  Einen weiteren Punkt in der Frage einer Standortentscheidung führt der Bürgermeister ins Feld: "Noch sind keine Verträge mit Rheinbach unterschrieben. Wir geben die Hoffnung, dass Haribo doch in die Grafschaft kommt, noch nicht auf. Har­bo hat außerdem immer wieder erklärt, dass eine endgültige Standortentscheidung erst Ende des Jahres fallen wird. Wir stehen auch weiterhin mit dem Unternehmen in Kontakt." Aus betriebswirtschatlichen Erwägungen heraus, so Juchem weiter, "sind wir mit unserem Gewerbesteuersatz gegenüber Konkurrenten deutlich im Vorteil. Auch was den Wasser- und Abwasserpreis betrifft, liegen wir gegenüber Rheinbach günstiger".
  Im Falle eines Umzugs nach Rheinbach will Haribo zunächst nur einen "Teilbetrieb verlagern. Doch die konkreten Planungen könnten, so Alfter, "schnell gemacht werden. Zunächst werden das neue Logistikzentrum mit Hochregallager und die Produktionsstätten für die Klassiker wie Goldbären, Colorado oder Lakritz errichtet. Der Umzug betrifft im Unternehmen zunächst rund 1000 von 1350 Beschäftigten."
  Raffael Knauber, Erster Beigeordneter der Stadt Rheinbach, freut sich bereits auf das Unternehmen. "Wir freuen uns natürlich, wenn die Entscheidung auf Rheinbach zulaufen wird. Wir stehen seit zehn Jahren in den Startlöchern und halten für das Unternehmen ein Grundstück von 25 Hektar bereit. Zudem senken wir dann für alle Betriebe die Gewerbesteuer." Um den Haribo-Mitarbeitern kurze Wege bieten zu können, "wird dann auch dort ein neuer Eisenbahn­ und Bushaltepunkt eingerichtet", betonte Knauber.
  Eines steht jedoch fest: Auch bei einem möglichen Umzug nach Rheinbach werde es beim Namen Haribo bleiben. "Wir haben insgesamt fünf Produktionsstätten in Deutschland und 18 im Ausland. Da wird überall Haribo produziert. Einen Grund, nun den Namen zu ändern, den sehen wir nicht", betonte Marco Alfter.   (hb/ckk)

Quelle: Rheinzeitung vom 24.10.2007


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