Mit dem Pflug ins Reich der Römer
Sensationeller Fund auf einem Feld bei Beller: Hermann Müllenbruck ackerte für Archäologen - Antiken Grabstein entdeckt

Die Römer sind unter uns. Der Pflug von Hermann Müllenbruck förderte auf einem Feld bei Beller einen für den Kreis Ahrweiler sensationellen Fund zu Tage: Im Dachziegelschutt eines antiken Siedlungsplatzes lag der gut erhaltene große römische Grabstein, dessen Alter die Archäologen vom Landesamt für Denkmalpflege auf die Zeit um 50 nach Christi datieren.
GRAFSCHAFT. Der schwere Stein auf dem Beller Acker hatte den Pflug von Hermann Müllenbruck schon 2003 ramponiert. Ende Oktober 2004 blieb er wieder hängen. Diesmal ließ Müllenbruck das Ungetüm mit einem Bagger bergen. Mit Wasser und Wurzelbürste schrubbte seine Frau auf dem Hof die dicken Erdschichten weg: Zum Vorschein kam eine gut erhaltene, große römische Grabstele. Sie zeigt einen Mann und drei Frauen. Für Ottmar Prothmann (Archivar in Bonn) und Andreas Schmickler, die sich seit Jahren mit der Vor­ und Frühgeschichte der Grafschaft beschäftigen, ein sensationeller Fund. Römerstein von Beller Gestern wurde er zusammen mit Dr. Cliff Jost und Hubertus Ritzdorf vom Landesamt für Denkmalpflege (Abteilung Archäologie) der Öffentlichkeit vorgestellt.
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Hermann Müllenbruck (links) entdeckte den römischen Grabstein beim Pflügen auf einem Beller Acker und informierte Andreas Schmickler und Ottmar Prothmann (rechts).
Foto: Vollrath/Gausmann
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"Gute handwerkliche Arbeit" , bescheinigen die Achäologen dem römischen Bildhauer, der den Kalkstein aus der Gegend von Metz für das Grabmal bearbeitet hat. Das Relief, l,28 Meter hoch, 96 Zentimeter breit und 33 Zentimeter tief, zeigt in zwei halbrunden Nischen vier Halbfiguren - in der oberen zwei Frauen, in der unteren einen Mann und eine Frau. Die beiden Frauen im oberen Feld tragen Hauben, wie sie von den Matronensteinen der Region bekannt sind, während die untere ihre Haare nach vorne gekämmt und seitlich hinter die Ohren geführt hat. Alle Frauen tragen eine Tunica. Mit dem vor der Brust angewinkelten Arm greifen sie in die Gewandschlinge. Der linke Arm ist ebenfalls gebeugt und wird unter dem rechten Arm vor dem Körper gehalten. Alle weiblichen Personen tragen um den Hals eine Kette mit Medaillon. Der Mann ist bartlos, nach seinen Gesichtszügen ein älterer Mann, bekleidet mit Toga und Tunika. Die Unterarme sind abgebrochen. Wegen fehlender Inschrift wird spekuliert: Es könnte sich um einen Mann mit seiner ersten und zweiten Ehefrau (Hauben trugen nur verheiratete Frauen) und seiner jungen, unverheirateten Tochter handeln. Möglich wären aber auch zwei verheiratete Töchter und eine unverheiratete. Wahrscheinlich gehörten die Vier zur einheimischen Bevölkerung, die das römische Bürgerrecht besaßen.
 Römischer Grabstein (Der wichtige Unterstein, der vielleicht die Inschrift getragen hätte, konnte trotz intensiver Nachsuche nicht entdeckt werden. Die Situation an der FundsteIle weist jedoch darauf hin, dass der Stein nicht ursprünglich dort als Grabmal gestanden hat, sondern eventuell zur Zweitverwendung als Baumaterial dorthin transportiert wurde. Er lag inmitten von Dachziegelschutt, wie er auf römischen Siedlungsplätzen immer zu finden ist. Dr. Gerhard Bauchhenß aus Bonn, Archäologe und Fachmann für römische Grabdenkmäler, bestätigte eine Datierung auf die Zeit um 50 nach Christus.
Der Fund in der Grafschaft ist selten: Bisher sind im Kreis Ahrweiler nur ein Grabstein eines Soldaten (um 50 nach Christi) und drei Fragmente gefunden worden - alle entdeckt um 1900 bei der Erweiterung der Pfarrkirche in Remagen.    (tul)
Quelle: Rheinzeitung vom 26.02.2005
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