Einsatz in luftiger Höhe
Die Sankt-Joseph-Kapelle wird ehrenamtlich saniert - Arbeiten noch nicht abgeschlossen

Der Glockenstuhl ist erneuert, die vier Türmchen aus Zink sind montiert, und aus den neuen, dra- chenköpfigen Wasserspeiern kann der Regen nun wieder sprudelnd abfließen. Die Sankt-Joseph-Kapelle in Beller ist nach enormen Anstrengungen der Dorfbewohner, aber auch dank Helfern aus Ringen, Bölingen und benachbarten Orten wieder von außen ein Schmuckstück.
GRAFSCHAFT. Der Schutzpatron, die restaurierte Figur des heiligen Sankt Joseph, ist wieder an seinem angestammten Platz über dem Portal der Sankt-Joseph-Kapelle in Beller. An der Figur, die auf einem neuen Holzsockel steht, mussten die linke Hand und die Lilie erneuert werden. Auf der Turmspitze trotzt das mächtige Kreuz wieder dem Grafschafter Wind. Abgeschlossen sind die Arbeiten am einschiffigen Bau aus Feldbrandsteinen allerdings noch lange nicht. Doch was die handwerklichen Spezialisten um Dachdeckermeister Lothar Müller rund um den Turm bisher vollbracht haben, ist überaus beachtlich. Dies stellte auch jüngst ein Gutachter vom Bistum in Trier heraus. "Nachdem er gesehen hatte, was wir bisher geleistet haben, war er sehr begeistert. Uns ist nach der Besichtigung ein erheblicher Zuschuss für die Dacherneuerung angekündigt worden", erklärte Herbert Glath, der Initiator des Projekts.
  Doch nicht nur in luftiger Höhe muss das Gotteshaus auch weiterhin restauriert werden. "Als nächsten Abschnitt nehmen wir die linke Außenmauer in Angriff. Da muss alles abgetragen und gesäubert werden. Dann wird die Stützmauer aufgebaut und ebenfalls verklinkert" , erklärt Herbert Glath. Er hatte vor Jahren alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Kapelle aus dem Jahr 1868 vor dem endgültigen Verfall zu bewahren.
  Ein Blick zurück: Erbaut wurde das Gotteshaus von dem kinderlosen Ehepaar Jo hann Joseph und Helena Kohlhaas. Die Grundsteinlegung erfolgte am 20. Juni 1868. Rund zwei Jahre später, am 5. Juli 1870, wurde die Kapelle geweiht. Noch Anfang der 50er Jahre gaben sich Paare dort das Ja-Wort. Bereits damals waren die Spuren des Verfalls - innen wie auch außen - deutlich sichtbar. 1980 wurde in der Kapelle noch das Patronatsfest gefeiert, dann wurden die dicken Portaltüren verriegelt, der Bau sich selbst überlassen. Erst 1999 schloss der Beller Bürger Herbert Glath die Türen wieder auf. Modergeruch schlug ihm entgegen, was er erblickte, befand sich in einem jämmerlichen Zustand: Der Holzwurm hatte sich in die Kirchenbänke und den Altar gefressen, der Putz rieselte von den Wänden, das uralte Messbuch moderte vor sich hin. Das Wurzelwerk der alten Akazien hatte sich unter dem Bau ausgedehnt und die Platten im Innern vom Fußboden gedrückt. Außen hatten Wurzeln die alten Tonrohre verstopft, das Regenwasser konnte nicht mehr abfließen, die Drainage versagte den Dienst. Das Haus drohte zu verfallen.
Dachdeckermeister Lothar Müller (rechts) verkleidet die Turmspitze in luftiger Höhe.
  Doch dann zog Herbert Glath durch die Dörfer in der Nachbarschaft und gewann für das "Projekt Kapellensanierung " Mitstreiter. Auch die Eigentümerin, die Kirchengemeinde Sankt Dionysius Ringen, sagte Unterstützung zu, finanzielle Hilfe jedoch nicht.
  Mittlerweile ist ein Kanalabfluss hergestellt und die Drainage erneuert. Die Sitzbänke wurden bereits vor geraumer Zeit ehrenamtlich behutsam und sorgfältig restauriert. Eine neue Eichentreppe führt zur Empore hoch, auf der die gestiftete Orgel ihren Platz gefunden hat. Die alten Kreuzwegbilder sind in Eichenrahmen zu Bildleisten zusammengefasst. Vorne steht ein stilvoller Eichenaltar. Der Innenputz ist ebenfalls fachmännisch aufgetragen worden.
  Aus dem ehemals maroden Gebäude ist nun wieder ein friedvoller Ort für Einkehr und Gebet zugleich geworden. Regelmäßig öffnet das Gotteshaus mittwochs seine Pforten, und am Josephs-Tag wird eine heilige Messe gefeiert. Um das im neugotischen Stil erbaute Gotteshaus weiter erhalten zu können, sind auch in Zukunft Eigenleistungen und finanzielle Mittel erforderlich. "Am zweiten Wochenende im September feiern wir unser Kapellenfest. Den Erlös nutzen wir, um weitere Arbeiten wie die Dacherneuerung durchführen zu können", erklärt Herbert Glath.        -- Horst Bach --
Quelle: Rheinzeitung vom 27.05.2005
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