Großeinsatz für Grafschafter Wehr

80 Feuerwehrleute übten am Ringener Rathaus den Ernstfall - Landrat Pföhler mit Korb aus luftiger Höhe gerettet

Zum Glück war es nur eine Großübung, die die Wehrleute der Gemeinde Grafschaft am Dienstagabend bewältigen mussten. Denn das schreckliche Szenario, das sich ihnen bot, hatte es wahrlich in sich.

GRAFSCHAFT. Bei einer Großübung probten am Dienstagabend in Ringen rund 80 Feuerwelirleute aus der Grafschaft" den Ernstfall (die RZ berichtete kurz). Für die Einsatzkräfte galt es, in der Dunkelheit zwei Ereignisse zu bewältigen, die parallel an verschiedenen Orten simuliert wurden. Das Szenario: Beim Entkernen des alten Rathauses bricht bei Arbeiten mit einer Flexmaschine ein Brand aus, der sich bei starker Rauchentwicklung rasch ausdehnt. Ein Gaffer verursacht gleichzeitig in der Nähe einen Verkehrsunfall, wobei eine Person im Unfallfahrzeug eingeklemmt wird und mit der Rettungsschere geborgen werden muss.
  Der Großeinsatz begann mit der Alarmierung der Löschgruppen der mittleren Grafschaft: Um 20.02 Uhr heulten die Sirenen. Bereits drei Minuten danach waren die Ringener Wehrleute um Oberbrandmeister Markus Ockenfels an Ort und Stelle.


Alle Grafschafter Wehren waren bei der Großübung vor dem Ringener Rathaus im Einsatz. Foto: Vollrath
  In kurzen Abständen folgten mit Martinshorn und Blaulicht die Einsatzkräfte aus Leimersdorf, Lantershofen und der Einsatzleitwagen "Bengen 11". Im Einsatzzentrum der Feuerwehr in Ringen herrschte derweil stille Betriebsamkeit: Hochkonzentriert wurden Fakten zusammengetragen, Zuständigkeiten verteilt und die Spezialeinheiten koordiniert.
  Das Szenario wirkte realistisch, zumal es im alten Rathaus aus allen Ritzen qualmte und die Wehrleute in Windeseile die Schläuche ausrollten. "Spätestens acht Minuten nach einer Alarmierung müssen die ersten Kräfte vor Ort sein" , erklärte Grafschafts Wehrleiter Erich Krupp.
  Schnell wurde den Brandbekämpfem klar: Die im Einsatz befindlichen Wehren der mittlert!n Grafschaft können den Großbrand im alten Rathaus nicht alleine bekämpfen. Es mussten Rettungskräfte mit schwerem Atemschutz herangezogen werden. "Durch die starke Rauchentwicklung sieht man keine Armlänge weit", betonte Bürgermeister Achim Juchem, der sich von der Leistungsfähigkeit der Grafschafter Wehren an Ort und Stelle ein Bild machte.
  Kurz nach der Alarmierung der Feuerwehr wurde Juchem per SMS über die Situation informiert. "Unsere Wehr ist die einzige im Kreis, die über eine sogenannte ,Bluebox" alle Wehrleute und den Bürgermeister per Handy automatisch in Kenntnis setzt. Später kommt dann noch eine Bestätigung über Fax, dass die SMS verschickt wurde", sagte Bürgermeister Juchem.
  Nach dem Einläuten der nächsten Alarmierungsstufen rückten die Mannschaften aus der oberen und unteren Grafschaft aus. Ruhig, konzentriert und überaus professionell gingen sie an die Arbeit. "Bevor das Wasser fließt, retten wir zuerst Leben. Das heißt: Menschen müssen aus dem Gebäude geborgen werden", informierte Wehrleiter Krupp. In diesem Fall war es Landrat Jürgen Pföhler, der auf dem Baugerüst vor dem obersten Stockwerk des Rathauses, eingehüllt in dichtem Qualm, auf seine Bergung wartete. Und die kam prompt. Mit der Drehleiter der Ringener Wehr erlebte Pföhler in luftiger Höhe die Rettung im Korb. "Das war schon beeindruckend" , bedankte sich Pföhler später nach geglückter "Landung".
 Insgesamt demonstrierten die Grafschafter Wehren, die mit rund 15 Fahrzeugen angerückt waren, einen beeindruckenden Einsatzstatus. Auch den gestellten Verkehrsunfall mit dem Gaffer in Höhe der Sparkassenfiliale Ringen, bei dem ein Kleinwagen gegen einen Transporter fuhr, meisterten sie souverän. Die Vettelhovener Wehr um Löschgruppenführer Ludwig Weil bewies etwa bei der Bergung einer "eingeklemmten Person" den fachmännischen Umgang mit der Rettungsschere.   Horst Bach

Quelle: Rheinzeitung vom 28.09.2006


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