Alte Bahntrassen Die unvollendeten
"Bahnlinien" durch Ringen.

 Quelle:

 www.ahrtalbahn.de 

 


Vor dem Ersten Weltkrieg sollte eine gigantische Bahnlinie durch die Grafschaft
nach Lothringen führen.

Seit rund 150 Jahren rattern und schnaufen nun bereits Eisenbahnen durch den Kreis Ahrweiler. Vor dem Ersten Weltkrieg sollte außerdem ein militärisches Schienennetz durch die Grafschaft bis nach Lothringen geführt werden. Noch heute erinnern Trassen, Überführungen und der Bahndamm an die nie vollendete Strecke.
  GRAFSCHAFT. Friedlich und gemütlich nahm die Eisenbahn im Ahrtal ihren Beginn, um 1879 startete wohl auch die Ahrtalbahn. Rund 25 Jahre später ändert sich das Bild: Die Dampfrösser und die Streckenführung im Ahrtal rücken verstärkt ins Visier des kaiserlichen Militärs. Die Generalität ließ noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges Pläne ausarbeiten, auch die Grafschaft in das große, überregionale Schienennetz einzubinden. Knotenpunkte sollten rund um Ringen, Birresdorf und Nierendorf errichtet werden. An diese Vorhaben erinnern noch heute Trassen, Überführungen und der Bahndamm und zeugen von der Bahnlinie durch die Grafschaft.
  Noch lange, bevor die ersten militärischen Baukolonnen in die Region einrückten und die ersten Stollen in die Weinberge getrieben wurden, eröffnete die Rheinische Eisenbahn am 17. September 1880 das erste Teilstück von Remagen über Bad Neuenahr nach Ahrweiler. Die damalige "Bonner Zeitung" schrieb am 20. September 1880: "Der Bahnhof und der ganze Ort zeigten sich in Flaggenschmuck. Die Krieger-, Handwerks- und Gesangsvereine nebst Schulen hatten Aufstellung genommen."
  Mit dem Frieden war es dann allerdings bald vorbei. Das Dampfross wurde als Kriegsgerät erkannt, und strategische Erwägungen bestimmten fortan den Bau und die Streckenführung. Besonders der Chef des Generalstabs der kaiserlichen Armee, Alfred Graf von Schlieffen, hatte mit seinem Plan, die Eisenbahn zum raschen Aufmarsch der deutschen Truppen gegen Frankreich einzubinden, großen Einfluss auch auf die Bahnlinie im Kreis. Die großzügig durchs Tal geplante Strecke wurde zwar niemals fertig gestellt, dennoch erinnern heute noch Relikte aus jener Zeit an die Bahnlinie, die bis ins Saarland und nach Lothringen führen sollte: Stehen in Ahrweiler noch die so genannten "Schwurfinger", die Brückenpfeiler des Adenbachviaduktes, so sind auch in der Grafschaft immer noch alte Bahntrassen, -dämme und Überführungen zu sehen. Die Pläne schmiedete einst Alfred Graf von Schlieffen. Ging es nach Schlieffen, so sollten zwei Streitmächte Frankreich von Norden und Süden her umklammern. Um schnelle Truppenverlegungen und Materialtransporte durchführen zu können, mussten auch Eisenbahnlinien gebaut werden. Vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten wurden die Streckenplaner an die Reißbretter befohlen. Die kaiserliche Führungsriege legte fest, dass die "Ruhr - Mosel- Entlastungslinie" zweigleisig von Neuß aus über Liblar, Rheinbach bis nach Rech ausgebaut werden soll. Über die Ahr- und Eifelbahn sollten die Gleise dann bis ins Saarland und Lothringen geführt werden.
  In der Grafschaft war vorgesehen, ab Ringen die Bahn hinunter ins Ahrtal nach Rech zu leiten. Billig war der Bau nicht: Über eine Eisenbahnanleihe wurden zunächst am 28. Mai 1913 die Gelder für eine zweigleisige Hauptbahn von Liblar aus nach Dernau bereitgestellt. Veranschlagt waren für diesen Bau rund 32,3 Millionen Reichsmark. Die Kosten für die im Jahr 1915 beschlossene Verbindung von Ringen nach Bad Bodendorl hätten noch zusätzlich aufgebracht werden müssen.
  Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges drängte dann die Zeit, zumal der Streckenverlauf gigantisch anmutete. Allein die geplanten Haltepunkte vermitteln das Ausmaß der Linie: So sollten Bahnhöfe in Liblar, dem Kreuzungspunkt mit der Eifelbahn, in Bliesheim, in Metternich, in Heimerzheim, in Ollheim, in Miel, in Rheinbach, dem Kreuzungspunkt mit der Strecke Euskirchen/Bonn, in Wormersdorl, in Altendorl-Ersdorl, in Gelsdorl, in Ringen mit der Abzweigung nach Bodendorf, Mayschoß mit dem Anschluss an die Ahrtalbahn und in Nierendorl, Kirchdaun, Gimmigen und Bodendorl Bahnhöfe und Haltepunkte eingerichtet werden. Fertig gestellt wurden allerdings nur der Bahnhof in Wormersdorf, das Empfangsgebäude in Altendorl-Ersdorf und ein Stellwerk in Ringen.
  Der Ringener Bahnhof war westlich vom Ort geplant. Die Gleise sollten in einem Bogenschlag um Birresdorf herum gebaut und in einer s-förmigen Auslegung durch die Grafschaft über eine Strecke von gut 15 Kilometern Länge nach Bodendorl entstehen. Hierzu sollten die Gleise an Nierendorl vorbei und unweit von Kirchdaun über Gimmigen gelegt werden. In Nierendorl, Kirchdaun und in Gimmigen waren zudem Zwischenbahnhöfe in die Pläne eingezeichnet worden. Die Planungen der Linie hinunter ins Ahrtal stellten bereits eine Herausforderung dar. Hier galt es, von der Grafschaft aus einen Höhenunterschied von rund 130 Metern bis hinunter nach Bad Bodendorl zu bewältigen.  Horst Bach

Quelle: Rheinzeitung vom 04.01.2006

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